Ich bin nicht süchtig. Ich könnte jederzeit aufhören.
Lass mich nur kurz dieses Kapitel zu Ende lesen.|Rezension| Menomorphosen – Jule Ronstedt
Verwandlungen in der Lebensmitte
„’Seien Sie achtsam mit sich’, hatte die Ärztin gesagt. ‘Gehen Sie in die Natur, ernähren Sie sich gesund, vermeiden Sie Stress.’ Das ist leicht gesagt. Mein Leben ist kein Wellnessurlaub, den ich im Preisausschreiben gewonnen habe, und meine Umzugskiste leider nicht die Mary-Poppins-Tasche, aus der ich alles hervorzaubern kann, was ich gerade bräuchte: Kohle, Spezialtherapien, Wohnungen mit Terrasse, Flugtickets zu meinem studierenden Sohn in Mailand oder einen neuen, hübschen Busen.“ (S.60f.)
|Rezension| Schwiegermutter – Moa Herngren
Schwiegermutter: Ein Roman, der Urteile zerlegt
„Wo war der Schmerz geblieben? Ich hatte gehofft, er würde sich verhalten wie Kompost, sich allmählich zersetzen und eins mit der Natur werden. Aber er erinnerte mehr an Atommüll, der auch hundert Jahre nach der Versiegelung des Endlagerbehälters nichts von seiner Radioaktivität einbüßt.“ (S.155)
|Rezension| Da, wo ich dich sehen kann – Jasmin Schreiber
Literatur gegen das Wegsehen: „Da, wo ich dich sehen kann“
„Trauer hat die unangenehme Eigenschaft, einen einzukapseln und irgendwie abzuspalten von allen anderen. Es ist ein zutiefst persönliches Gefühl, das eine Art unsichtbare Membran um einen zieht. Man kann die anderen zwar sehen, kann sie auch durch die Membran berühren, aber nicht wirklich.“ (S.179)
|Rezension| Maya und Samuel – Franziska Fischer
Was bleibt, wenn Worte fehlen…
„Das mit dem Eingraben habe ich probiert, das mit dem Nichtstun auch, doch beides zieht mich nur tiefer. Je mehr Dunkelheit mich umgibt, desto dichter wird sie, so einfach ist das, das Leben wartet nicht auf mich, gar nichts wartet auf mich, wenn ich nur den Tagen dabei zusehe, wie sie vergehen.“ (S.107)
|Rezension| Evil Grandma – Line Baugstø
Evil? Maybe. Unterhaltsam? Auf jeden Fall.
„Frauen, die der Generation unter ihr angehören, kommen sich vor wie auf dem Abstellgleis, weil sie nicht mehr fruchtbar, feminin und verführerisch sind. Sobald die Schleimhäute eintrocknen und die Haut ihre jugendliche Spannkraft verliert, hätten sie das Gefühl, als wäre ihr Leben vorbei, erklären sie im Radio und in der Zeitung. Sie haben vielleicht noch die Hälfte ihres Lebens vor sich, doch plötzlich scheint ihnen niemand mehr Respekt entgegenzubringen (…). Hinzu kommen Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Gelenkschmerzen, eine verminderte Libido (…). Kein Wunder, dass sie rasend vor Wut sind. Frauen in den Wechseljahren haben ein Recht darauf, eine Furie zu werden.“ (S.47)
|Rezension| Die Unbußfertigen – Elina Penner
Digitaler Spiegel, scharf geschliffen: Die Unbußfertigen
„Die Vergänglichkeit, die eigene Sterblichkeit, das eigene Ende hatte kein Mensch mit Mitte 20 im Kopf. Aber mit Ende 30? Es wurde greifbarer, dank Fehlgeburten, toten Eltern, längst beerdigten Großeltern und den ersten Freundinnen mit einer Krebsdiagnose. Zwischen schlaflosen Nächten, eingefrorenen Eizellen, tobenden Kleinkindern in der Autonomiephase und bockigen Grundschulkindern, die es trotz Mozart im Bauch und Holzspielzeug im Kinderzimmer nicht geschissen kriegten, ein Buch zu lesen.“ (S.55)
|Rezension| Liaisons – Celine Robert
Typisch französisch: clever, sinnlich, charmant
„(…) solange die Dämonen nur leise knurren und sie nicht am Atmen hindern, begegnet sie diesen unbedeutenden Symptomen mit Verachtung. The show must go on.“ (S.140)











